Co-Leading: Hält doppelt wirklich besser?

Co-Leading & Co-Leader
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Wir nehmen die kurze Antwort gleich vorweg und sagen laut und deutlich: Ja! Es gibt zur Sicherstellung des Erfolgs eines Co-Leadings allerdings immens wichtige Faktoren als Basis zu berücksichtigen. Und grosse Chancen wahrzunehmen. Haben Sie gewusst, dass 60% der erwerbstätigen Frauen in der Schweiz Teilzeit arbeiten*?

Das Bildungsniveau bei den Frauen ist im Vergleich zu den 80er Jahren erheblich gestiegen – heute haben sogar mehr Frauen einen Maturitätsabschluss als Männer – dennoch sind leitende Positionen nur in seltenen Fällen in Teilzeitarbeit besetzt. Immer mehr hochqualifizierte (Familien-)Managerinnen besetzen nach der Familiengründung entweder Stellen, die ihrem Potential nicht gerecht werden, steigen für eine Weile ganz aus dem Erwerbsleben aus oder machen sich selbständig. Dies, obschon sie gerne im Teilzeitpensum einen anspruchsvollen Job ausüben möchten.

So geht ein grosser Teil der qualifizierten Mitarbeiter:innen, in die Sie als Unternehmen viel Zeit und Geld investiert haben, verloren. Dieses brachliegende Wissenspotenzial gilt es – mehr denn je – gewinnbringend einzusetzen und den Fachkräftemangel mit bestehenden Ressourcen clever zu bekämpfen. An diesem Punkt kommt das Co-Leading ins Spiel.

Was ist Co-Leading oder ein Co-Lead?

Das Co-Leading besteht aus zwei oder sogar mehreren Personen, die sich die Führungsfunktion mit allen Aufgaben sowie der Verantwortung teilen. Auch bekannt als Top-Sharing (zum SRF-Beitrag). Oder einfacher gesagt: Sie haben zwei Führungskräfte zum Preis von einem: geteilte Führung, doppelte Power. Etwas besser bekannt ist Ihnen vielleicht das Job-Sharing. Hier teilen sich zwei oder mehrere Mitarbeiter eine Vollzeitstelle mit voneinander abhängigen Aufgaben und gemeinsamen Verantwortlichkeiten. Eine Co-Lead Stelle schliesst höhere Verantwortung sowie die Mitarbeiterführung mit ein.

Was sind die Chancen von Co-Leading?

Beim Co-Leading vereinen Sie die Stärken von zwei Persönlichkeiten in einer Rolle. Doppelte Energie, doppeltes Fach- und Erfahrungswissen, zwei Sichtweisen. Eine Win-Win-Situation also. Und dennoch: in der Schweiz ist das Co-Leading ein Nischenphänomen. Laut Bundesamt für Statistik arbeiteten 2016 nur gerade mal 3.7% im Job-Sharing-Modell, davon nur ein Bruchteil im Top-Sharing.

Dabei können die Vorteile grenzenlos sein:

  • Grosse Diversität: Entscheidungen im Alltag werden mehr und stärker hinterfragt sowie fundierter abgestimmt.
  • Skills und Charaktereigenschaften werden optimal ergänzt: Mehr fachliche Kompetenzen können anspruchsvollere Aufgaben bewältigen. Eine Second Opinion haben Sie als Bonus immer inkludiert.
  • Höhere Produktivität: Vier Augen sehen mehr als zwei, gegenseitige Inspiration, effizienteres Abschalten in der Freizeit wird so möglich.
  • Weniger Abwesenheiten: Ihre Führungskräfte sprechen sich ab und sind selten bis nie beide in der gleichen Woche Abwesend. Das erleichtert einiges.
  • Burnout Risiko reduziert: DieVerantwortung lastet auf zwei Schultern und lässt sich so besser teilen.
  • Interessanteres Stellenangebot für Führungskräfte – Zugang auch für Teilzeitarbeitende möglich.
  • Perfekte Übergangs-Lösung: Ein:e Key-Playerin in Ihrem Unternehmen geht in den Ruhestand und sie zu ersetzen macht Ihnen Kopfzerbrechen? Nutzen Sie das Co-Leading als elegante und hoch-effiziente Übergangslösung, um die Nachfolge fit für die Zukunft zu machen.
  • Image-Gewinn: Höhere Vereinbarkeit von Beruf & Familie durch flexiblere Arbeitsbedingungen stärken Ihr Ansehen in der Öffentlichkeit.

Was sind die Voraussetzungen für erfolgreiche Co-Leader?

Die wichtigste Voraussetzung ist es wohl, den geeigneten Co-Working-Partner zu finden. Das Zwischenmenschliche muss stimmen. Dann braucht es gemeinsame Verantwortung, Aufrichtigkeit, Offenheit und Authentizität. Essenziell sind ähnliche Wertevorstellungen, gegenseitige Unterstützung und vor allem: ein solides Vertrauen in seinen Partner. Dazu gehört auch, Entscheidungen des anderen zu akzeptieren und dahinter zu stehen.

Haben sich einmal zwei Führungskräfte gefunden, ist eine gute Organisation das A und O. Um Doppelspurigkeit zu vermeiden, teilt man entweder die Verantwortlichkeiten klar auf, oder man regelt die Zuteilung «ad hoc» nach Kapazität und Know-how. Eine gewisse Neugier und eine ausgereifte Kommunikation sind sicherlich auch hilfreich. Man muss gerne im Team arbeiten und auch einmal ein Anliegen annehmen, welches nicht den eigenen Tätigkeitsbereich betrifft.

Gibt es auch Risiken im Co-Leading?

Risiken gibt es wohl überall. Das Co-Leading ist kein Selbstläufer, es braucht ein Planungs- und Organisationsaufwand. Anfangs ist der Zeitaufwand relativ hoch, bis die Führungskräfte sich gegenseitig abgestimmt haben und sich auch die Mitarbeiter zurechtgefunden haben. Die Co-Leader müssen miteinander in die gleiche Richtung schauen, ansonsten gibt es unnötige Diskussionen und Spannungen. Läuft etwas aus dem Ruder, müssen beide hin stehen können und wollen.

Gleichwertigkeit ist hier ein wichtiges Stichwort – andernfalls entsteht ein Konkurrenzkampf mit viel Erfolgsdruck. Ein hohes Mass an Kritikfähigkeit ist – wie eigentlich überall – auch eine gute Voraussetzung, um Ungereimtheiten gleich ansprechen zu können. Es bedingt je nach Charakter auch ein Umdenken: der persönliche Erfolg wird immer der Erfolg des Teams sein. Als Co-Leader heisst es, an einem Strang zu ziehen und auch mal ausserhalb der definierten Arbeitstage flexibel und offen zu sein, um sich bei wichtigen Entscheiden abzusprechen und schnell handeln zu können.

Fazit

Jobsharing ist in Anbetracht der demografischen Entwicklung ökonomisch sehr sinnvoll. Das Top-Sharing kommt sicherlich vor allem Frauen zugute, doch auch Väter bekommen so die Chance, aktiver am Familienleben teilzuhaben und den heutigen Anforderungen an eine Familie und gerecht zu werden. So können trotz Teilzeitarbeit Kaderpositionen behalten werden. Co-Leading kann auch für ältere Angestellte eine riesige Chance sein. Für jene, die nach der regulären Pensionierung gerne berufstätig bleiben möchten, ihr Wissen weitergeben und gleichzeitig kürzertreten wollen.

Wir haben im Rahmen unserer beratenden Partnertätigkeit unserer Mandanten festgestellt, dass das Konzept bei vielen Unternehmen noch unbekannt ist oder die Skepsis davor sehr gross ist. Ein kleiner Tipp unsererseits: suchen Sie den Austausch mit anderen Unternehmer:innen, die Co-Leading anbieten. Es gibt bereits mehrere Erfolgs-Stories und die Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte, die aus verschiedenen Gründen eine Teilzeitstelle suchen, wächst. Top-Sharing kann für Sie als Unternehmen ein attraktives Mittel sein, brach liegendes Potenzial zu nutzen und langjähriges Know-how intern zu binden. Nutzen Sie dieses – noch – Nischenphänomen zu Ihrem Vorteil und stärken Sie zugleich auch Ihr Employer Branding!

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